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Wahlkampf-Medieninhaltsanalyse

(Komponente 4)

Kurzfristige Veränderungen von Wahrnehmungen, Einstellungen oder Präferenzen seitens der Wähler können nur als Reaktion auf die Rezeption bestimmter Informationen verstanden werden. Die Massenmedien stellen die Hauptquelle solcher Informationen während des Wahlkampfes dar. Die thematische Agenda der Kampagne, die Präsenz und Evaluation von Parteien und Kandidaten (die Quellen der Evaluation eingeschlossen), die Beziehungen zwischen den Parteien und Koalitionssignale, Äußerungen zu Wahlerwartungen (aus Umfragen oder anderen Quellen stammend) sowie Berichte über bedeutungsvolle Ereignisse, die ein Potential besitzen, die Evaluationen von Parteien oder Kandidaten seitens der Wähler zu beeinflussen – alle diese Informationen werden im Verlauf von Wahlkämpfen durch die Medien vermittelt.

Um diese Informationen zu registrieren, ist eine quantitative Medieninhaltsanalyse Bestandteil der GLES (Komponente 4, geleitet von Prof. Dr. Rüdiger Schmitt-Beck). Diese Daten werden so gesammelt, dass sie mit den Umfragedaten, vor allem mit der RCS-Komponente sowie dem kurzfristigen Wahlkampf-Panel, verknüpft werden können. Um entscheidende Wendepunkte mit Bedeutung für die öffentliche Meinung zu identifizieren, ist es daher erforderlich, dass diese Daten in sehr dichten Intervallen erhoben werden. Daher wird jeder Tag der Kampagnenperiode in die Inhaltsanalyse einbezogen, so dass basierend auf dem Datum der Interviews die Daten der Inhaltsanalyse direkt mit den Daten der RCS-Komponente und des Wahlkampf-Panels verbunden werden können.

Die Inhaltsanalyse bezieht sich auf die wichtigsten deutschen Massenmedien, entweder in Hinblick auf ihre Verbreitung oder ihre Meinungsführerschaft innerhalb des deutschen Mediensystems: die wichtigsten Abendnachrichten der öffentlich-rechtlichen und der populärsten kommerziellen Sender (Tagesschau (ARD), Heute (ZDF), RTL aktuell (RTL), Sat.1 Nachrichten (Sat.1)) sowie die fünf wichtigsten nationalen Qualitätszeitungen (Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, die tageszeitung) und die weit verbreitet gelesene Boulevardzeitung „Bild“, die auch gleichzeitig die Zeitung mit der größten absoluten Leserzahl in Deutschland darstellt.

Bei der Bundestagswahl 2009 umfasste der Untersuchungszeitraum die letzten 91 Tage vor der Wahl. Für diesen Zeitraum wurden insgesamt 1.395 politische Fernsehnachrichtenbeiträge und 2.323 Presseartikel erfasst und inhaltsanalytisch ausgewertet. Zum Bundestagswahlkampf 2013 wurden die Inhaltsanalysen von Presse und Fernsehnachrichten bei gleicher Untersuchungsanlage wiederholt. 2013 wurden aus den letzten 91 Tagen vor der insgesamt 1.060 politische Fernsehnachrichtenbeiträge und 2.403 Presseartikel erfasst und ausgewertet.

Abgesehen von der Analyse der Wahlkampfdynamik ermöglicht die Inhaltsanalyse durch die Beschreibung der absoluten Häufigkeit der Kampagnenberichterstattung zudem Aggregat-Analysen. Auf lange Sicht liefern die Inhaltsanalysen Daten, die über die Zeit vergleichbar sind und somit die Untersuchung langfristiger Entwicklungen der Kampagnenberichterstattung ermöglichen.