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TV-Duell-Analyse

(Komponente 5)

TV-Duelle zwischen den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU und der SPD haben sich bei den vorherigen Bundestagswahlen als Hauptereignisse der Wahlkämpfe etabliert, und auch 2009 war vorab mit dieser Art von Medienereignis zu rechnen. In der GLES wurde ein komplexes Design zur Analyse dieser Debatten realisiert (Komponente 5, geleitet von Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher, in Kooperation mit Prof. Dr. Frank Brettschneider, Prof. Dr. Thorsten Faas, Prof. Dr. Jürgen Maier sowie Prof. Dr. Michaela Maier).

Nationale Umfragen sind nur von begrenztem Wert, wenn es um die Frage der Informationsverarbeitung von individuellen Wählern geht. Ein experimenteller Ansatz, der eine Befragung vor und nach dem Duell einschließt und mit einer „real-time-response“ (RTR) Messung kombiniert wird, ist in dieser Hinsicht vielversprechender.

Die Teilnehmer der Experimente konnten ihre Einschätzungen über ein Abstimmungsgerät direkt während der Debatte ausdrücken. So war es möglich, auf einfache Weise die Reaktionen der Zuschauer auf den Verlauf der Debatte festzustellen, was innovative Einblicke über die Informationsverarbeitung ermöglichte. Ergänzt wurde dieses Design durch eine Inhaltsanalyse der Debatte, die auf ein schon in vorherigen Studien zu TV-Duellen angewandtes Codier-Schema zurückgreifen konnte. Um die Stabilität von Debatten-Effekten überprüfen zu können, musste auch das Ausmaß, die Qualität sowie der Inhalt der nachfolgenden Kommunikation abgedeckt werden. Dies implizierte eine dritte Befragung der Teilnehmer wenige Tage nach der Debatte und eine abschließende vierte Befragung direkt nach dem Wahltag. So kann untersucht werden, ob die TV-Duelle tatsächlich – auf direkte oder indirekte Weise – die Wahlentscheidung beeinflusst haben. Zusammen mit der RCS-Umfrage sowie mit dem Wahlkampf-Panel lassen sich so wertvolle Einsichten über die Existenz und Dauerhaftigkeit von Debatteneffekten gewinnen.