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Das GLES-Design im Überblick

Der Kern

Den Kern der Studie bildet eine umfangreiche persönlich-mündliche Befragung einer Zufallsstichprobe der Wählerschaft, die in eine Vorwahl- und eine Nachwahlwelle aufgesplittet ist. Diese Querschnitte umfassen eine große Anzahl an Variablen, um die Hintergründe der Wahlentscheidungen möglichst umfassend analysieren zu können. Sie wurden zudem mit einer großen Fallzahl durchgeführt, um auch aussagekräftige Analysen von Subgruppen der Wählerschaft durchzuführen zu können (Komponente 1).

Analyse kurzfristiger Dynamiken des Wahlprozesses

Mehrere Komponenten dienen der Analyse kurzfristiger Dynamiken des Wahlprozesses. Mittels einer während des Wahlkampfes durchgeführten Rolling Cross-Section-Umfrage können Veränderungen der öffentlichen Meinung als Reaktion auf Parteikampagnen und die Berichterstattung der Medien identifiziert werden. Diese Vorwahlstudie wird ergänzt durch eine Nachwahl-Panelwelle, die es auch auf der Individualebene ermöglicht, das Verhältnis zwischen Einstellungen während des Wahlkampfes und am Ende des Wahlkampfes, die tatsächliche Wahlentscheidung inbegriffen, zu untersuchen (Komponente 2).

Da es notwendig ist, die Effekte von Kampagnen auch in der Vorwahlphase auf der Individualebene zu beobachten, wird diese Komponente durch ein Wahlkampf-Panel ergänzt, das mit Hilfe eines Online-Access-Panels realisiert wurde (Komponente 3).

Diese beiden Umfrage-Komponenten (deren Inhalt den Kernbestandteilen der Komponente 1 angepasst sind) werden durch Analysen des Wahlkontextes begleitet. Eine Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung während des Wahlkampfes (Komponente 4) konzentriert sich auf die wichtigsten Issues, Kandidatenprofile und Bewertungen seitens der Medien, sowie mögliche Koalitionsszenarien. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von TV-Duellen der Spitzenkandidaten der Parteien schließt die GLES auch eine detaillierte Studie zu dem TV-Duell ein (Komponente 5).

Darüber hinaus beinhaltet die GLES eine Kandidatenstudie, um mögliche Einflüsse lokaler Wahlkämpfe von Direktkandidaten zu untersuchen (Komponente 6).

Mit Hilfe der Komponenten 4-6 lässt sich so ein umfassendes Bild der Angebotsseite des Wahlprozesses zeichnen. Zusammen liefern die Kurzfrist-Komponenten der GLES, die auch bei den zwei kommenden Wahlen durchgeführt werden sollen, beispiellose Einblicke in Kampagnendynamiken und Wählerorientierungen sowie in den Kontext der Wahl, wie er durch Parteien, ihre Kandidaten und die Medien bestimmt wird. Die Komponenten ermöglichen eine detaillierte und feingliedrige Auswertung der Veränderungen der Einstellungen und Orientierungen der Wähler während des Wahlkampfes – sowohl im Aggregat als auch auf der individuellen Ebene.

Beobachtung von Langfristdynamiken

Da der Meinungsbildungsprozess der Wähler nicht am Wahltag endet, sondern sich Einstellungen auch über den Zeitraum zwischen zwei Wahlen entwickeln und verändern, gilt es nicht bloß eine einzelne Wahl und den ihr vorausgehenden Wahlkampf zu beobachten, sondern mit verschiedenen – und untereinander verbundenen – Instrumenten mehrere aufeinander folgende Wahlen zu erfassen und die Dynamik der Interaktion zwischen Wählern und Parteien über den gesamten Wahlzyklus zu verfolgen.

In einem Langfrist-Panel – das auf Komponente 1 aufbaut – werden dieselben Personen zu allen drei Wahlen innerhalb unseres Beobachtungszeitraums befragt, um detaillierte Einblicke in Ausmaß und Formen elektoralen Wandels zu gewinnen (Komponente 7).

Eine kontinuierliche Langfrist-Online-Tracking-Studie, die über den gesamten Wahlzyklus durchgeführt wird, erfasst die Dynamik der Wahrnehmungen und Bewertungen von Parteien und Politikern zwischen den Wahlen präzise und untersucht darüber hinaus den Einfluss von Nebenwahlen (Komponente 8). Um die Hintergründe dieser Dynamik besser verstehen zu können, wird parallel eine Langfrist-Analyse der Medienagenda durchgeführt (Komponente 9). Die Verknüpfung dieser beiden Komponenten ermöglicht uns, Veränderungen in den Bewertungen der Parteien zu erklären. Durch den Einbezug von Nebenwahlen (auf Landesebene und europäischer Ebene) können wir deren Einfluss auf Bundestagswahlen analysieren und somit eine bedeutende Forschungslücke in der deutschen Wahlforschung schließen.

Zur Bundestagswahl 2009 wurde das Langfrist-Online-Tracking aus GESIS-Mitteln um eine Vorwahl-Online-Tracking-Studie mit fünf Befragungen (Komponente X) ergänzt. Darüber hinaus wurde ein Multi-Level-Panel durchgeführt, das Befragte aus fünf Bundesländern (Brandenburg, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen) in drei Wellen jeweils zur Europawahl, zur Bundestagswahl und zur jeweiligen Landtagswahl interviewt, um Gründe für mögliche intra-individuelle Unterschiede in der Wahlentscheidung zwischen politischen Ebenen feststellen zu können (Komponente Y), finanziert von GESIS und der Goethe-Universität Frankfurt).

Die Integration der GLES-Komponenten

Alle Umfragekomponenten sind durch einen identischen Kernfragenkatalog verbunden, der durch komponentenspezifische Fragen komplettiert wird, um die einzelnen Analyseziele jeder Komponente zu realisieren. Der ähnliche zeitliche Rahmen ermöglicht zudem, die verschiedenen Komponenten miteinander zu vergleichen. Parallel zu den Umfrage-Komponenten werden die Wahlkampf-Medieninhaltsanalyse, die Analyse des TV-Duells, die Kandidatenstudie sowie die Langfrist-Medienagenda-Analyse kontextbezogene Informationen für die Erklärung des individuellen Verhaltens liefern, die sich durch darauf ausgerichtete Fragen auf individuelles Verhalten beziehen lassen.